Belastungssituation in der Pflege

Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind in der ambulanten Pflege gleich mehrfach zu spüren.

  • Aufgrund der steigenden Lebenserwartung ist ein Anstieg der älteren Bevölkerung zu verzeichnen, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit Multimorbidität und altersassoziierten chronischen Erkrankungen aufweisen [1, 2].
  • Im Umkehrschluss steigt der Pflege- und Betreuungsbedarf in der Bevölkerung an [3].
  • Durch den gleichzeitigen Fachkräftemangel aufgrund der Geburtenrückgänge muss dieser Bedarf von einer geringen Anzahl an Pflegepersonal sichergestellt werden [4].

Angesichts des Grundsatzes „ambulant vor stationär, der im SGB XII § 13 Abs. 1 der Sozialversicherung verankert ist, wird diese Tatsache verschärft.

  • Immer mehr „pflegerischen Härtefällen“ soll das selbstständige Leben in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich gewährleistet werden [5].
  • Familienstrukturen ändern sich jedoch und die Frauenerwerbstätigkeit steigt, sodass die Inanspruchnahme professioneller pflegerischer Leistungen in die Höhe getrieben wird [6, 7].
  • Ende 2015 waren knapp 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig: Fast 73% (2,08 Millionen Menschen) wurden in den eigenen vier Wänden versorgt – darunter knapp 692.000 Personen mit Unterstützung oder vollständig durch die ambulanten Pflegedienste [8].

Hieraus resultiert eine unmittelbare Mehrbelastung für Mitarbeitende der ambulanten Pflegeunternehmen.

 

Quellen:

[1] Statistisches Bundesamt (Destatis). (Hrsg.) (2019). Bevölkerung im Wandel - Annahmen und Ergebnisse der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

[2] Bundesministerium für Gesundheit (BMG). (Hrsg.). (2019). Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung. Stand Mai 2019. Bonn: Bundesministerium für Gesundheit, 1-16.

[3] Schat, H. D. & Richenhagen, G. (2015). Arbeitsfähigkeit und Arbeitszeit in der stationären
Altenpflege – St. Gereon Seniorendienste. Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 69(1), 3-10.
Doi.10.1007/BF03373936

[4] Dietrich, U., Rößler, M., Bellmann, M & Kirch, W. (2015). Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Altenpflege. Unter besonderer Berücksichtigung der Pflege dementer Menschen. Prävention und Gesundheitsförderung 10(1), 3-10. Doi.10.1007/s11553-014-0458-x

[5] Brütting, M., Hermanns, I., Nienhaus, A., & Ellegast, R. (2017). Muskel-Skelett-Belastungen beim Schieben und Ziehen von Krankenbetten und Rollstühlen. Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie 67(2), 64-77Doi.10.1007/s40664-016-0150-4

[6] Schroeder, W. (2018). Interessenvertretung in der Altenpflege. Zwischen Staatszentrierung
und Selbstorganisation. 
Wiesbaden: Springer Fachmedien.

[7] Robert Koch-Institut (Hrsg.). (2015). Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. Berlin: RKI. Doi.10.25646/3173

[8] Flaspöler, E. & Neitzner, I. (2018). Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen. Ausführliches Branchenbild aus dem Risikoobservatorium der DGUV. Sankt Augustin: Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA).