PFLEX.live: „Digitalisierung in der Pflege darf nur ein Ziel haben: Mehr Zeit für Menschen.“ (Rene Martin)

Digitalisierung von Arbeitsprozessen ist in aller Munde: Es wird die neueste Softwarelösung diskutiert, Hardware angeschafft und diese im täglichen Doing erprobt. Doch Rene Martin, Digitalisierungsberater, wies in unserer PFLEX.live-Runde am 01.10.2020 darauf hin: Digitale Arbeitsprozesse in der Pflege müssen immer für den Menschen sein – und dies gilt gleichermaßen für Mitarbeiter*innen und Patient*innen!

Der erste Gedanke, den man bei der Digitalisierung hat, ist die Technologie. Häufig werden neue Hard- und Software angeschafft, aber dennoch setzen die Mitarbeitenden diese nicht richtig ein. Warum? Weil sie vorab nicht richtig geschult wurden oder weil die digitalen Lösungen nicht zu den Arbeitsprozessen des Unternehmens passen. Die Technologie sollte immer die Arbeitsprozesse unterstützen und mehr Zeit für die Patient*innen schaffen. Zielgerichtetes Investieren und Digitalisieren ist das A und O im Gesundheitswesen.

Ist dies erst gelungen, bieten sich vielfältige Anwendungsbereiche: Über Cloud-Computing können Informationen in Echtzeit zwischen Pflegediensten, Ärzten und Krankenkassen geteilt und bearbeitet werden, Big Data bündelt alle patientenrelevanten Informationen und die Elektronische Krankenakte bietet in Zukunft Erleichterung bei der Informationssammlung und -dokumentation.

Aber: Am Anfang der Digitalisierung steht immer der Mensch, wie Herr Martin betont. Ohne eine fachliche Einführung und einfache Gestaltung, die einen zeitlichen und qualitativen Mehrwert für die Arbeit bietet, ist eine digitale Lösung für die Pflege zum Scheitern verurteilt. Es gilt stets kritisch zu prüfen, ob die Digitalisierung eines Prozesses sinnvoll ist und, wenn ja, wie sie so im Team eingeführt werden kann, dass sich alle Mitarbeitenden mitgenommen und verstanden fühlen.