Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in der Pflege

Das Thema Gesundheit ist allgegenwärtig – egal ob im privaten oder im beruflichen Umfeld. Das Zitat von Sebastian Kneipp „Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern“ verdeutlicht, wie wichtig die Gesundheit für den einzelnen Menschen und die gesamte Gesellschaft ist.

Einleitung

Gerade in Krisen-Zeiten wie der Corona-Pandemie gewinnt das Gut Gesundheit verstärkt an Bedeutung. Es werden immer mehr Informationen auf verschiedenen Wegen verbreitet, Existenzängste und Ungewissheiten über die Zukunft treten auf, große Ängste vor Ansteckung und Erkrankungen verbreiten sich, die sozialen Kontakte werden eingeschränkt und auch die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Privatleben und Beruf verschmelzen mehr denn je.

Besonders die Pflegebranche rückt immer mehr in den Fokus und muss veränderte Prozesse meistern oder wird mit stärkeren Anforderungen konfrontiert. Hier gilt es Mitarbeitende gesund und leistungsfähig zu halten und zu stärken – sowohl physisch, psychisch als auch auf sozialer Ebene: Durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement.

Was ist ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)?

„Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist die systematische, zielorientierte und kontinuierliche Steuerung aller betrieblichen Prozesse – mit dem Ziel, Gesundheit, Leistung und Erfolg für den Betrieb und alle seine Beschäftigten zu erhalten und zu fördern.“ 1

BGM bedeutet demnach nicht, lediglich einen „Obstkorb“ für die gesunde Ernährung im Unternehmen bereit zu stellen oder ergonomische Autositze für die Dienstwagen einzubauen. BGM zielt vielmehr auf den Erhalt und die Verbesserung der Gesundheit aller Akteure im Betrieb und betrifft dabei sämtliche betriebliche Prozesse, die auf Gesundheit ausgelegt werden können.

  • BGM ist eine Organisationsentwicklung
  • BGM ist ein umfangreicher und dauerhafter Managementprozess, der das gesamte Unternehmen betrifft

Bestandteile eines BGM

  • Ein BGM steht auf drei zentralen Säulen bzw. es beinhaltet drei zentrale Aufgabengebiete:

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)

  • Die erste Säule ist die BGF: Diese umfasst alle Maßnahmen des Betriebes zur Stärkung und Förderung der Gesundheitskompetenz, aber auch zur Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen im Unternehmen.
  • Hier reihen sich praktische Maßnahmen wie ergonomische Arbeitsmittel, Stressbewältigungsprogramme, Bewegungsprogramme, Coachings aber auch der berühmte Obstkorb ein. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Ressourcen der Mitarbeitenden zu stärken, sie somit gesund und leistungsfähig zu halten.
  • Gesundheitsstärkende Maßnahmen sind also Teil eines BGM, aber ein effektives und systematisches BGM geht noch wesentlich darüber hinaus.
  • Ein BGF ist freiwillig für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber nur so kann ein ganzheitliches gesundes Unternehmen gewährleistet werden. Unterstützung erhalten Unternehmen von Sozialversicherungsträgern.

Denn es umfasst weiterhin auch den Arbeitsschutz:

  • Dieser bildet die zweite Säule und umfasst alle Maßnahmen, Mittel und Methoden zum Schutz der Beschäftigten vor arbeitsbedingten Sicherheits- und Gesundheitsgefährdungen.
  • Praktische Anwendungen der klassischen Arbeitsschutzmaßnahmen wie die Arbeitskleidung und Schutzausrüstung, die Minimierung von Gefahren und Unfallrisiken, aber auch die klassische Gefährdungsbeurteilungen sowie die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen spielen hier mit hinein.
  • Der Arbeitsschutz ist gesetzlich verankert und daher Pflicht für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Dritte Säule im BGM: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM)

  • für Langzeiterkrankte (die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind)
  • ein BEM beinhaltet verschiedene Maßnahmen, die darauf abzielen, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden und die Arbeitsfähigkeit langfristig zu sichern
  • ein BEM fängt klassisch mit einem Gespräch nach der Langzeiterkrankung an, bei den u.a. auch weiterführende Maßnahmen besprochen werden können, wie z.B. Arbeitsplatzanpassungen oder auch arbeitszeitlicher Schrittwieser Wiedereinstieg
  • ein BEM muss von Seiten der Arbeitgeber angeboten werden

Wer ein BGM im Unternehmen implementieren möchte, sollte also alle drei Säulen berücksichtigen und in die Unternehmensphilosophie integrieren.

Kontinuierlicher Kreislauf

Um ein BGM zielgemäß umsetzen zu können, sind vier kontinuierliche Schritte notwendig:

1. Schritt: Analyse des Ist-Zustandes und der Bedarfe

  • mittels Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitssituationsanalysen /
    Altersstrukturanalysen, Mitarbeiterbefragungen / Gesundheitszirkel, Fokusgruppen
  • Wo bestehen Handlungsbedarfe?
  • Hier sollten alle wichtigen Entscheidungsträger einbezogen werden – die Einführung eines BGM braucht auch Unterstützung durch Geschäftsleitung

2. Schritt: Planung der Maßnahmen

  • Was kann und will ich umsetzen – woran kann ich anknüpfen? Wie können die Maßnahmen konkret ausgestaltet werden?
  • Ziel der Maßnahmen: Arbeitsplatzverbesserung und Kompetenzsteigerung

3. Schritt: Umsetzung der Maßnahmen

  • Als nächstes müssen die geplanten Maßnahmen auch konsequent umgesetzt werden: im Bereich BGF, Arbeitsschutz und BEM

4. Schritt: Evaluation

  • Im letzten Schritt ist zu prüfen, ob die gewünschten Erfolge eingetreten sind und wie die Bereitschaft der Mitarbeitenden ausfällt: Kontrolle und Bewertung der Maßnahmen
  • Nachhaltigkeitsprüfung und Erfolgsprüfung
  • Nachdem dies reflektiert wurde kann entweder an erfolgreichen Maßnahmen festgehalten oder ggf. neu Wege ausprobiert werden
  • Danach beginnt der Kreislauf von vorn

BGM ist keine einmalige Sache, sondern es muss kontinuierlich geprüft werden was gut läuft, was verbessert oder verändert werden muss. Der kontinuierliche Kreislauf beginnt immer wieder von vorn.

Wozu braucht man ein BGM in der Pflege?

Eine hochwertige Pflege kann nur gelingen, wenn die Mitarbeitenden gesund sind!

  • Aufgrund der demografischen Entwicklung und der Situation auf dem Fachkräftemarkt und die damit einhergehenden steigenden Leistungsanforderungen ist ein BGM in der Pflege wichtiger denn je!
  • Die derzeitige Corona-Situation bringt zusätzliche gesundheitliche Herausforderungen mit sich – und führt gerade in der Pflege zu einer Doppelbelastung: zu versorgende Risikopatienten und gleichzeitig vermehrter psychischer und körperlicher Druck beim Pflegepersonal.

BGM ist kein Mehraufwand, sondern eine Bereicherung!

  • Informieren Sie Ihre Mitarbeitenden ausführlich, welche Vorteile ein BGM bringt.
  • Nur wenn alle an einem Strang ziehen und insbesondere die Führungskraft hinter den BGM-Maßnahmen steht, kann ein effektives BGM betrieben werden.

Im Mittelpunkt steht auch das generationsgerechte Arbeiten!

  • Beziehen Sie alle Altergruppen in die Planung und Umsetzung des BGM ein.
  • Die Maßnahmen müssen gegebenenfalls an die Altergruppen angepasst werden.

BGM bietet viele Vorteile!

Mögliche Handlungsfelder in der Pflege:

Gerade in der Pflege existieren viele Handlungsfelder, die mittels eines systematischen BGM gezielt gestärkt werden können. Hier finden Sie einige Beispiele:

Wie gelingen Transfer und Umsetzung in der Praxis?

  • Setzen Sie die Gesundheit der Mitarbeitenden als Unternehmenspriorität und binden Sie das BGM in die Organisations- und Personalentwicklung ein!
  • Starten Sie im Vorfeld eine Analyse: Wo liegen die Bedarfe? Was setzen wir bereits um, wo können wir anknüpfen, was muss erneuert werden?
  • Setzen Sie sich kleine und realistische Ziele! Die Umsetzung eines BGMs ist ein langfristiger Prozess, der mehrere Jahre dauert.
  • Bilden Sie eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitenden, die sich regelmäßig über das Thema Gesundheit austauschen, z.B. einen Gesundheitszirkel. Bestimmen Sie gemeinsam einen BGM-Verantwortlichen.
  • Entwickeln Sie keine wahllosen Einzelaktivitäten! Stimmen Sie die Maßnahmen aufeinander ab und besprechen Sie diese vor der Umsetzung den Mitarbeitenden: Denn für diese sollen die Maßnahmen zielführend sein.
  • Informieren Sie immer alle Beteiligten, sowohl was die Planung, Umsetzung als auch bei der Evaluation.
  • Evaluieren Sie die Effektivität der Maßnahmen – was kann noch verbessert werden? Nur so kann die Gesundheit der Mitarbeitenden immer weiter gesteigert werden.

Factsheet zum Thema BGM

Quellen und weiterführende Literatur:

1 Initiative Neue Qualität der Arbeit, BauA: Gesunde Mitarbeiter-Gesundes Unternehmen, 2016