PFLEX.live am 23.Februar 2021: Fachkräftesicherung in der (Alten-)Pflege – wie kann das gehen?

Bis 2050 wird es etwa 6 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland geben. 41 Prozent der Pflegefachkräfte sind bereits über 50 Jahre alt und nur 3 Prozent der professionell Pflegenden sind Auszubildende oder Umschüler*innen. 2018 benötigen Arbeitgeber*innen in der Pflege durchschnittlich 183 Tage, um eine freie Stelle wieder zu besetzen.

Umfrage unter den Teilnehmenden der PFLEX.live-Veranstaltung am 23.02.2021

Der Blick auf diese Zahlen verdeutlicht klar die Notwendigkeit, sich mit der Thematik Fachkräftesicherung auseinander zu setzen. Für die dritte PFLEX.Live Veranstaltung war Frau Miriam Schöpp vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) als Referentin zu Gast.

Fachkräftesicherung ist ein spannendes und schwieriges Thema. Die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der Pflege werden sich nur langsam verändern. Daher sind die Arbeitgeber*innen gefragt. Frau Schöpp berichtete von verschiedenen Ansätzen. Sehr deutlich wurde dabei, dass eigene Mitarbeiter*innen die beste Personalwerbung sind. Daher gilt es die Themen Arbeitsorganisation und vor allem das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Blick zu nehmen. Dabei können das KOFA, aber auch die Krankenkassen unterstützen.

Neue Wege in der Akquise gilt es zu beschreiten: Social Media Kanäle sollten mehr genutzt und auf jeden Fall eine eigene Homepage mit ansprechenden Stellenausschreibungen zur Verfügung stehen.

Ein anspruchsvolles Feld ist die Gewinnung von Auszubildenen. Ganz klar hat sich auch da der Arbeitsmarkt hat sich von einem Arbeitgeber*innen- zu einem Bewerber*innenmarkt gewandelt. Bewerber*innen und Ausbildungsplatz finden immer schlechter zueinander. Der Trend geht zu höheren Schulabschlüssen und dem Wunsch zu studieren.

  • Im Jahr 2020 sanken Bewerber*innenzahlen und abgeschlossene Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr weiter. 
  • Corona-Ausbildungstrends:
    • Ausbildungs-Abbrüche steigen um ca. 28%.
    • Ausbildungsbedingungen wurden durch generalistische Ausbildung erschwert.
    • Auch scheint die Praxisanleitung nicht immer optimal zu laufen.
    • Es liegt zudem eine große Verantwortung bei den Azubis.
  • Aber: Die systemrelevanten Pflegeberufe rückten durch die Pandemie wieder in den Fokus. So stieg auch das Interesse an diesen Tätigkeiten an.
    [Quelle: KOFA - Miriam Schöpp]

Wichtig ist es hier alle Möglichkeiten des Ausbildungsmarketing auszuschöpfen. Zum Beispiel durch Schulkooperationen, Ausbildungsbotschafter*innen (z.B Geflüchtete & Studienabbrecher*innen), Social Media-Recruiting oder Digitales Speeddating. Zudem müssen die Einarbeitungszeit und die Zeit während der Ausbildung müssen wertschätzend und perspektivenreich gestaltet werden. Hier kann auch auf Netzwerke mit anderen Pflegeunternehmen zurückgegriffen werden, um gemeinsam die Sichtbarkeit zu erhöhen.

Ein spannender Impuls von Frau Schöpp, der zu viel Nachdenken und angeregter Diskussion führte.

 

Weitere Informationen zum KOFA: Das KOFA ist ein gefördertes Projekt und unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, ihre Personalarbeit zu analysieren und zu verbessern. Es bietet verschiedene Arbeitsmaterialien wie Podcasts, Checklisten und Praxisbeispiele, mit denen Pflegedienste neue Instrumente der Fachkräftesicherung entdecken können.

www.kofa.de