„In der ersten Hälfte des Lebens opfern wir Gesundheit, um Geld zu verdienen.“ (Voltaire) – Muss das sein?

Am 18.03.2021 beschäftigten wir uns im Rahmen gemeinsam mit der Regionalen Servicestelle für Betriebliche Gesundheit im Vogtlandkreis mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement speziell in der ambulanten Pflege.

Die Stärkung von betrieblicher Gesundheit ist gerade in Zeiten des Fachkräftemangels von großer Bedeutung, denn ohnehin bestehende Engpässe in der Pflegeversorgung begünstigen Phänomene wie z.B. Präsentismus (krank auf Arbeit zu erscheinen). Ermüdung und Stress können sich ebenfalls langfristig negativ auf die Gesundheit auswirken und Burnout befördern. Um diesen Effekten entgegen zu wirken und präventiv die Gesundheit der Mitarbeitenden zu stärken, kann BGM planvoll eingesetzt werden. Von ihren Erfahrungen, wie das gelingen kann, berichtete uns Frau Myra Mani, Geschäftsführerin des Unternehmens Mani Häusliche Pflege & Tagespflegen aus Lüdenscheid.

Das Unternehmen gründeten ihre Eltern vor 20 Jahren und Frau Myra Mani selbst stieg vor 13 Jahren ins Familienunternehmen ein. Da ihre Mutter, Lucy Mani, selbst den Beruf der Pflegekraft und das familiäre Leben unter einen Hut bringen musste, war es Lucy Mani sehr wichtig, jungen Müttern bzw. Eltern den Wiedereinstieg in den Beruf durch angepasste Arbeitszeiten zu erleichtern. Dieses Angebot von Mütter-/Elterntouren war der erste Schritt des Unternehmens in Richtung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, welches im Laufe der Jahre ausgebaut wurde.

Zuerst, so berichtete Frau Mani, lief das BGM eher „aus dem Bauch heraus“, recht spontan und als Bestandteil der Unternehmenskultur. Allerdings nahm mit der Zeit der Grad der Professionalisierung in diesem Bereich zu und das Unternehmen der Familie Mani wurde 2015 als „familienfreundliches Unternehmen“ zertifiziert. Zwei Jahre ging die „Mani Häusliche Pflege“ eine „Gesundheitspartnerschaft" mit der AOK NORDWEST ein und führte in Folge einen Arbeitskreis für Gesundheit im Unternehmen ein. Gemeinsam mit einer ersten moderierten Arbeitssituationserfassung aller Mitarbeitenden bildete das den Grundstein für das planvolle betriebliche Gesundheitsmanagement des Unternehmens. So konnten durch die Erfassung der Wünsche und Vorstellungen der Mitarbeitenden nach Berufsgruppen aufgeteilt „blinde Flecken“ im BGM aufgedeckt und bearbeitet werden. Die Geschäftsführerin erzählte, dass der Fokus lange Zeit zu großen Teilen auf den Pflegefachkräften gelegen habe und die anderen Berufsgruppen dabei aus dem Sichtfeld gerückt waren. Dieses Problem konnte mithilfe der Arbeitssituationserfassung behoben werden.
Als sehr hilfreich empfand Frau Mani auch das Projekt „Lebe Balance“, in welchem Techniken zum Selbst- und Stressmanagement vermittelt werden. Nach anfänglichen Bedenken stellte sich dieses als gewinnbringend heraus und die Mitarbeitenden handelten selbstverantwortlicher ohne verweigernd zu agieren.
Abschließend erklärte Frau Mani, dass die Implementierungsphase des BGM sich recht anstrengend gestalten kann, aber sich der Aufwand auf alle Fälle lohnt, was sich an einer gestiegenen Mitarbeitendenzufriedenheit, einer erhöhten Teilnahme an Aktivitäten, einem geringeren Krankenstand und einer gesunkenen Fluktuation messen lässt. Auch der Gewinn des zweiten Platzes des BGW Gesundheitspreises 2020 spricht für den Erfolg des Betrieblichen Gesundheitsmanagements des Unternehmens „Mani Häusliche Pflege“. Das Unternehmen sieht im BGM eine entscheidende Säule zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden. Wichtig sei für die Umsetzung eines planvollen Betrieblichen Gesundheitsmanagements der Einbezug der obersten Führungsebeneund vor allem aller Mitarbeitenden. Hilfreich seien auch Netzwerke und Partner zur Umsetzung und zum Austausch.

Im Anschluss an den Bericht beantwortete Frau Mani ebenfalls Fragen der Teilnehmenden. So erklärte sie im Zusammenhang mit der Terminfindung für BGM-Aktivitäten, dass diese meist in der Mittagszeit stattfinden, da zwischen 12 und 15 Uhr nur wenige Aufgaben anfallen und dass die Gruppen durchmischt werden, aber natürlich Akzeptanz von allen Mitarbeitenden vorhanden sein muss. Zum Verhältnis von Kosten und Nutzen des BGM erklärte die Geschäftsführerin, dass der Zeitaufwand während der Einführung im ersten Jahr sehr hoch sei, sich die Integration im Unternehmen aber auszahlen würde. Im Unternehmen gäbe es zudem keinen konkreten Stellenumfang für BGM Allerdings war es der Leitung sehr wichtig, dass die Verantwortung nicht zusätzlich auf der Pflegedienstleitung übertragen werde, weshalb diese Aufgabe nun vor allem der Verwaltung obliegt. Eine wichtige Erkenntnis für das Unternehmen war es, dass die Rückenschulung, die sie zu Beginn als „klassische“ BGM-Maßnahme anbieten wollten, höchstens 3 Interessenten fand. Dies bestätigte die Geschäftsführung darin, dass die Analyse der Bedarfe eine wichtige Rolle spielt. Vertrauen sei, so Frau Mani, beidseitig eine wichtige Grundlage: das Vertrauen der Führungskräfte in die Mitarbeitenden sowie auch umgekehrt, um ein planvolles und erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement umzusetzen.

Sie sind selbst interessiert am Betrieblichen Gesundheitsmanagement, aber wissen nicht, wie Sie starten sollen?

Unterstützungsangebote zum Thema BGM finden Sie z.B. bei

 

Wir danken Frau Mani herzlich für ihren Impuls und die Einblicke in ihr Unternehmen! 

Weitere Informationen zum Unternehmen „Häusliche Pflege Mani“: https://mani-pflege.de/