PFLEX.live am 24.03.22: Führung in altersdiversen Teams

Altersdiverse Teams – was sollten Führungskräfte beachten? Das war Thema des zweiten PFLEX.live-Talks im März. In wohl jedem Betreib sind Mitarbeitende unterschiedlichen Alters beschäftigt. Der Anteil der über 50-Jährigen ist entsprechend des demografischen Wandels besonders hoch. Durch den Mangel an Fachkräften, auch und in besonderem Maße in der ambulanten Pflege, sind Unternehmen daher darauf angewiesen, die Potenziale der älteren Mitarbeitenden umfassend zu nutzen. Doch jüngere Mitarbeitende folgen den älteren Kolleg*innen in zu geringem Umfang.

Wer die Potenziale, die in älteren Mitarbeitenden stecken, besser nutzen möchte, sollte weit verbreitete Altersstereotype über Bord werfen. Denn die meisten dieser Vorstellungen und Vorurteile vom „älter“ werden treffen nicht zu. Zwar nimmt die Leistungsfähigkeit mit höherem Alter ab, jedoch arbeiten ältere Menschen damit nicht weniger produktiv im Vergleich zu jüngeren Arbeitnehmer*innen. Ältere Mitarbeitende haben zudem nachweislich weniger Arbeitsunfälle als Jüngere. Doch insbesondere die Frage „Sind ältere Menschen noch lernfähig für Neues und können sie gut auf Veränderungen im Unternehmen reagieren?“ beschäftigt viele Arbeitgeber*innen bei der Auswahl geeigneter Mitarbeiter*innen. Zwar ist generell das Interesse, sich im Alter noch weiterzubilden, insgesamt geringer ausgeprägt – doch können die meisten Älteren noch neue Dinge erlernen. Mit ihren Erfahrungen und über die Jahre angeeignetem Wissen sind ältere Menschen daher eine Bereicherung für jedes Unternehmen.  Dies berichtete der von uns zu diesem Thema eingeladene Experte Professor Dr. Jürgen Wegge von der TU Dresden anhand einer Vielzahl von Studien, die seine Aussagen belegen.

In der Zusammenarbeit verschiedener Generationen erwachsen spezifische Herausforderungen, werden unterschiedliche Erwartungen an den Führungsstil gerichtet und verschiedene Wissensstände oder unterschiedliche Wertvorstellungen kommen zu Tage. Aber auch Rücksicht auf Kinderbetreuungszeiten oder der Wunsch nach mehr Zeit für die Tätigkeiten älterer Mitarbeitender wirken auf die Teamarbeit. Diese und weitere Herausforderungen sind es, mit denen Führungskräfte in altersdiversen Teams konfrontiert sind. Genau das berichteten uns die Teilnehmer*innen der PFLEX.live-Runde vom 24. März eingebracht. Auch die Schwierigkeit des gegenseitigen Verständnisses für andere Lebensphasen oder unterschiedliche Arbeitseinstellungen unterschiedlicher Generationen sind oft Themen in Teams unterschiedlichen Alters. So fällt etwa die Bereitschaft zur Dienstübernahme, die Belastbarkeit oder die individuelle Einschätzung, was genau die richtige Work-Life-Balance ist, sehr unterschiedlich aus.

Für all diese Herausforderungen gibt es wohl nicht „die EINE Lösung“, denn gerade mit zunehmendem Alter wachsen auch die Unterschiede zwischen den älteren und jüngeren Arbeitnehmer*innen, aber ganz besonders auch innerhalb der Gruppe der älteren Menschen selbst. Trotzdem gibt es wichtige Schlüsselpunkte, die man für eine gute Zusammenarbeit in altersgemischten Teams ableiten kann:

  • Wichtig ist es, vielfältige Aufgaben im Unternehmen anzubieten, die durchaus eine Komplexität aufweisen sollten, aber möglichst ohne viel Zeitdruck bearbeitet werden können.
  • Das Verständnis von Altersdiversität im Team sollte gestärkt und Vorurteile abgebaut werden. Denn: Jede*r profitiert von jede*m – durch Erfahrungen, Wissen und Innovation und Kreativität.
  • Ein positives Betriebsklima muss geschaffen und gefördert werden – durch vielfältige bedarfsgerechte Angebote. Hier spielt  Ergonomie und Wertschätzung im Team eine wichtige Rolle.
  • Führungskräfte sollten für eine alter(n)sgerechte Führung geschult werden, um alle Bedarfe berücksichtigen zu können. Denn ältere Mitarbeitende müssen individueller geführt werden, insbesondere weil die Varianz der Altersunterschiede größer wird.

 

Das Fazit der Veranstaltung: Altersgemischte Teams bringen, trotz vieler Herausforderungen, auch viele Vorteile für das Unternehmen und sind gerade in Zeiten des Fachkräftemangels nicht mehr wegzudenken. Durch gezieltes Training der Führungsebene und durch Offenheit und Wertschätzung von Altersdiversität können Unternehmen Hand in Hand, mit Jung und Alt erfolgreich in die Zukunft gehen.