Was ist ein Lern- und Experimentierraum?

Ein Lern- und Experimentierraum ist ein beteiligungsorientierter und zugleich innovativer Ansatz zur Optimierung von Arbeits- und Organisationsprozessen: Dabei legen Unternehmensführung und Beschäftigte gemeinsam fest, welches Problemfeld bearbeitet werden soll (z.B. Optimierung der Dienstplangestaltung, Neustrukturierung der Dokumentationsprozesse, Verbesserung der physischen Arbeitsbelastungen). Nach der Rollenverteilung im Team wird partizipativ und schrittweise nach Lösungen gesucht. In vordefinierten kurzzyklischen Abständen werden Zwischenziele ausgewertet und gegebenenfalls angepasst. So bedeuten Fehler keine Rückschläge, sondern der Weg zur Weiterentwicklung und Optimierung. Durch das gemeinsame Tüfteln der Beschäftigten an Lösungen ebnen sie den Pfad zum Arbeitsplatz der Zukunft.

 

Rollen

Im Lern- und Experimentierraum sind verschiedene Rollen definiert. Dabei handelt es sich um:

  1. Lenkungskreis (3-5 Personen): Arbeitsgruppe aus Geschäftsführung und Beschäftigtenvertretung – Verantwortlich für die Verallgemeinerung der Ergebnisse für das Unternehmen und für die Weitergabe von Unterstützungsmöglichkeiten
  2. Lab-Team (3-5 Personen): Beschäftigte des Unternehmens – Arbeiten an spezifischen Problemstellungen und entwickeln gemeinsame Lösungsansätze
  3. Projektlotse/-in bzw. Lab-Teamverantwortliche/-r:Teil des Lab-Teams bei gleichzeitiger Verantwortung des Lab-Teams; Überwachung der Aufgabenverteilung und -bearbeitung; Koordinator und Ansprechpartner für Lenkungskreis und Projektbegleiter/-in
  4. Projektbegleiter/-in:Verantwortlich für die Befähigung des Projektlotsen sowie der Ergebnissicherung und der Evaluation; externe Unterstützungsfunktion

Da es sich um ein offenes Vorgehen handelt, kann diese Rollenverteilung aber auch unternehmensindividuell angepasst werden.

 

Prinzipien

Lern- und Experimentierräume folgen diesen Prinzipien:

Ablauf im Projekt

Im Projekt PFLEX SACHSEN sind ca. 5-6 Monate für die Durchführung der Lern- und Experimentierräume veranschlagt. In dieser Zeit arbeitet das Lab-Team an Lösungsansätzen, die dann in Auswertungsrunden mit dem Lenkungskreis besprochen werden.

Wofür ist ein Lern- und Experimentierraum von Nutzen?

In der heutigen Arbeitswelt, die von Umstrukturierungen und Digitalisierung gekennzeichnet ist, müssen Beschäftigte und Unternehmen den Herausforderungen aktiv, kreativ und innovativ begegnen. Doch oftmals gibt es nicht die eine, allgemeingültige Lösung. Vielmehr müssen alle im eigenen Unternehmen als Team müssen an einem Strang ziehen und die passgenauen Lösungen herausfiltern. Lern- und Experimentierräume bieten dabei die beste Möglichkeit, ohne Zwang und ohne vordefinierte Ergebnisse gewünschte Themenfelder zu bearbeiten und neue Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsorganisation auszuprobieren. Scheitern Ideen und die Umsetzung, kann mit Alternativen experimentiert und Arbeitsschritte angepasst werden.

Unter folgendem Link wird der Nutzen eines Lern- und Experimentierraumes weiterführend erläutert:

https://www.experimentierraeume.de/die-idee/warum-brauchen-wir-lern-und-experimentierraeume/

 

Welchen Nutzen hat die ambulante Pflege durch einen Lern- und Experimentierraum?

Unvermeidliche Veränderungsprozesse in der Pflege werden oftmals nur unter Vorbehalt aufgrund der Top-Down Festlegung umgesetzt. Pflegekräfte werden überrumpelt und können Arbeitsabläufe nur schwer verinnerlichen oder sehen Veränderungen als zusätzlichen Belastungsfaktor statt Erleichterung. Ein Lern- und Experimentierraum bietet ambulanten Pflegeeinrichtungen trotz räumlicher Herausforderung die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen für die Praxis zu erarbeiten.

Beschäftigte ambulanter Pflegeunternehmen können praxisnah mit neuen Methoden arbeiten und an neuen Arbeitsprozessen tüfteln. Durch die gemeinsame Erarbeitung mit den Beschäftigten ergibt sich eine höhere Akzeptanz und Bereitschaft zur Veränderung.

Beispielthemen für einen Lern- und Experimentierraum in der Pflege:

  • Einsatzplanung: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

    • Tools zur Arbeitszeitregelung
    • Erprobung von praxistauglichen Arbeitszeitmodellen in der Pflege
    • Verantwortungsbereiche der einzelnen Pflegekräfte definieren
  • Tourenplanung: Kommunikation

    • Tools zur transparenten Kommunikation und zum Austausch im Team
    • Digitale Technologien für die reibungslose Abstimmung
    • Workshops und Weiterbildungen
  • Pflegeprozess: Hohe Arbeitsbelastungen

    • Unterstützende Tools für Heben, Halten und Umbetten ermitteln und erproben
    • Mitgestaltung und Handlungsspielraum der Beschäftigten erhöhen
    • Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement
  • Dokumentation: Hoher Zeitaufwand

    • Schnittstelle Arzt-Pflegende-Dokumentation erstellen
    • Einführung von Tablets, Spracheingabe testen (digitale Technologien erproben)

Best-Practice-Beispiele für den Einsatz von Lern- und Experimentierräumen in der Pflege

  1. DigiKIK: https://www.digikik-projekt.de (Gestaltung der Digitalisierung im Krankenhaus durch Mitarbeitende)
  2. EXPERTISE 4.0: https://www.wiqqi.de/expertise40 (Erprobung von Exoskeletten für die Pflege in der Praxis)
  3. SprintDoku: www.sprint-doku.de (Zeitersparnis bei der Pflegedokumentation durch Spracherkennung)